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Ein paar Leute suchen das GlĂĽck und lachen sich tot

“Glück - nur eine Illusion?!“

von Karin Bastian

 Die 1962 in Weimar geborene Autorin, Sybille Berg, schafft sich, mit ihrem DebĂĽtroman “Ein paar Leute suchen das GlĂĽck und lachen sich tot“ eine groĂźe Fangemeinde.

Sybille Berg trat schon vor ihrer ersten Buchveröffentlichung in verschiedenen Magazinen, “Das Magazin“ (Zürich), “Allegra“ (Hamburg), als Autorin in Deutschland sowie in der Schweiz in den Vordergrund; auch einige Theaterstücke stammen aus ihrer Feder. Momentan lebt sie als Tierpräparatorin in Zürich, das Schreiben sieht sie als eine Freizeitbeschäftigung an.

 Vera, Nora, Bettina, Ruth, Tom, und Helge sind die Jäger nach dem GlĂĽck, welches sich wohl Liebe nennt.

Ruth und Karl leben in einem Altersheim. Sie versuchen eine Beziehung miteinander zu führen, aber Karl kann Ruth nicht lieben, körperlich sowie seelisch, weil sie ihm zu alt ist. Als Ruth ihn fragt: “Bin ich dir zu alt?“, nickt Karl, daraufhin bringt sie ihn um. Nach Karls Beerdigung bringt Ruth sich um, mit einer Überdosis Tabletten.

 Vera und Helge sind verheiratet, lieben sich aber schon lang nicht mehr. Ihr gemeinsames Kind Nora ist magersĂĽchtig und von zu Hause ausgerissen, nach Barcelona, wo sie mit dem â€?etwas ĂĽber 20 jährigen“ Thomas im Keller wohnt. Thomas ist Sado-Masochist.

 Währenddessen betrĂĽgen sich Helge und Vera eifrig. Helge ist von Beruf Pianist und spielt abends in einem Hotel, wo er die Frauen dafĂĽr bezahlen lässt, dass sie mit ihm schlafen, â€?Ich bring sie dann dazu, daĂź sie mir Geld anbieten“.

Vera schläft mit Pit, in den aber ihre Freundin Bettina unglücklich verliebt ist. Bettina fährt aus Enttäuschung nach Venedig, wohin es später auch Helge und Vera verschlägt.

 Helge geht eine homosexuelle Beziehung ein, doch sein Geliebter wirft Helge in einen Kanal und lässt ihn dort ertrinken, “Die Lungen sich mit Wasser fĂĽllen. Mit verfaultem, stinkendem Wasser. Was die Lungen platzen läßt, den Körper zerreiĂźt, der Schmerz.“

 Nora lernt Tom nach ihrem Selbstmordversuch in einem Krankenhaus in Barcelona kennen. Tom wurde wegen Diphtherie eingeliefert. Er hat sein Leben in Deutschland aufgegeben, weil er keine ErfĂĽllung in seinen BĂĽrojob fand. Beide fahren gemeinsam per Anhalter nach Venedig. Während seiner Liebesbeziehung zu Nora trifft er seine alte Freundin Bettina wieder. Sie versucht Tom zu verfĂĽhren, doch Tom lässt sich nicht verfĂĽhren und entdeckt Nora als seine wahre Liebe, doch bevor er es ihr mitteilen kann, sterben Bettina und er bei einem Autounfall. Nora hat sich zuvor aus Eifersucht auf Bettina verbrannt, was Tom und Bettina nicht mehr erfahren.

 Nur Nora ĂĽberlebt die Suche nach der Liebe mit der Erkenntnis: “Schön blöd, einfach so sterben. Worum es geht, ist doch einfach nur etwas zu lieben. Und wenn es Milchkaffee und Zigaretten sind.“

 Sybille Berg arbeitet mit kurzen knappen Sätzen. Der Text spiegelt die Realität deutlich und ohne Metaphern wieder. Es finden sich keinerlei verschönernde Umschreibungen, sondern nur die teils etwas grausame Realität.

Der Roman lebt durch die Hauptfiguren, die das Geschehen aus ihrer Sicht schildern, das wechselnd auf 1-2 Seiten dargestellt wird, wobei diese begleitet werden von einem allwissenden Erzähler. Dialoge sind selten, die inneren Monologe der Hauptfiguren stehen im Vordergrund.

 Beim anfänglichen Lesen fällt es schwer sich durch Vielfalt an Namen zu tasten und dabei nicht die Ăśbersicht ĂĽber das Handlungsgeschehen zu verlieren.

Die Kreativität, die die Autorin jedesmal aufs neue aufbringt, um ihre Hauptfiguren vor blinder Liebe, letztendlich in den unausweichlichen Tod laufen zu lassen, lässt es auf jeden Fall lohnenswert erscheinen, die Namensproblematik zu überwinden

Der rote Faden des Romans ist die nicht enden wollende Engstirnigkeit der Hauptfiguren. Nie suchen sie das GlĂĽck bei sich, sondern immer in der Liebe zu anderen.

Was zunächst, aufgrund der Brutalität, gefühllos klingen mag, ist aber der beabsichtigte, eigensinnige Humor der Autorin und ihre Kritik an der Gesellschaft, die sich darauf versteift hat, Liebe als einzig wahres Lebensziel anzusehen.

Insgesamt gesehen eine sehr unterhaltsame Lektüre, deren unverblümte Schilderung der hoffnungslosen Suche nach dem individuellen Glück durchgängig nicht an Spannung verliert und für so manches Schmunzeln sorgt.

 Sibylle Berg: Ein paar Leute suchen das GlĂĽck und lachen sich tot. Roman. Reclam Verlag Leipzig. 7. Auflage, 2001. 180 Seiten, 8.50€.